An den globalen Finanzmärkten kam es zu Beginn der Woche zu erheblichen Turbulenzen, die zu einem Eingreifen von US-Präsident Trump führten, um einen weiteren starken Anstieg der Ölpreise und einen Kurssturz an der Wall Street zu verhindern.
Als der Handel in den USA am Montagmorgen begann, war der Ölpreis von rund 90 Dollar pro Barrel auf bis zu 119 Dollar gestiegen und sollte bis zum Ende des Tages noch weiter steigen, da die Aktienkurse nach weiteren erheblichen Verkäufen an den Märkten in Asien fielen.
Trump erklärte daraufhin gegenüber dem Sender CBS, dass der Krieg gegen den Iran „weitgehend, ziemlich beendet“ sei und es „aus militärischer Sicht nichts weiter zu tun“ gebe. Später bezeichnete er den Anstieg der Ölpreise als einen geringen Preis für das, was er als einen „Ausflug“ bezeichnete.
Der Ölpreis fiel daraufhin wieder unter 90 Dollar pro Barrel und die Wall Street legte zu, wobei der Dow Jones nach einem Rückgang von 900 Punkten zu Beginn des Tages mit einem Plus von 239 Punkten schloss.
Der globale Handelstag hatte mit weiteren Kursverlusten in Japan und Südkorea begonnen. Der wichtigste japanische Index beendete den Tag mit einem Minus von 5 Prozent. Seit seinem Höchststand im letzten Monat hat er damit insgesamt über 10 Prozent verloren. Der südkoreanische Kospi-Index fiel um 6 Prozent, nachdem er letzte Woche einen Rekordverlust von 12 Prozent an einem einzigen Tag verzeichnet hatte.
Die anfänglichen Bewegungen waren jedoch noch größer: Der Kospi fiel um 8 Prozent und der japanische Aktienmarkt um 7 Prozent. In Japan verlor die Aktie des Halbleitermaterialhersteller Nitto Boseki 18 Prozent an Wert und in Südkorea büßten die großen Chip-Hersteller Samsung und SK Hynix rund 10 Prozent ein.
Auch andere asiatische Märkte verzeichneten erhebliche Verluste, was die Abhängigkeit der Region vom Öl aus dem Nahen Osten widerspiegelt, das durch die derzeit gesperrte Straße von Hormus transportiert wird.
Trumps Eingreifen, das von der Angst vor den möglichen Folgen für die Wall Street motiviert war, sowie eine Erklärung der G7-Mächte, dass die Gruppe „bereit“ sei, wenn nötig Ölreserven freizugeben, stoppten den Anstieg des Ölpreises und führten zu einem Rückgang – zumindest für einen Tag.
Doch wie das Wall Street Journal berichtete, prognostizierte ein Beratungsunternehmen für Ölhandel jedoch, dass der Ölpreis im Laufe dieser Woche 130 Dollar pro Barrel erreichen könnte, wobei die Wahrscheinlichkeit dafür bei 70 bis 80 Prozent liege. Je länger die Straße von Hormus gesperrt bleibe, desto länger würde es dauern, bis die normale Produktion wieder aufgenommen werden könne, wobei die Aussicht bestehe, dass „einige Ölfelder dauerhaft beschädigt werden könnten”.
Unterdessen steigen weltweit die Energiepreise und auch die Preise für Verbraucher an den Tankstellen sind bereits stark gestiegen. Und wie bereits 2022, als nach Beginn des Ukrainekriegs die Preise anstiegen, zeichnet sich angesichts der Abhängigkeit der landwirtschaftlichen Massenproduktion von Energie auch heute ein Anstieg der Lebensmittelpreise ab.
Der Nahe Osten ist ein Zentrum der Düngemittelproduktion: rund 35 Prozent des Harnstoffs (Urea), des weltweit am häufigsten verwendeten Stickstoffdüngers, werden durch die Straße von Hormus transportiert. Über diese Wasserstraße werden auch 45 Prozent der weltweiten Exporte von Schwefel befördert, der ein wichtiger Bestandteil von Phosphatdüngern ist.
Der Chef des größten europäischen Düngemittelkonzerns, Svein Tore Holsether, erklärte gegenüber der Financial Times: „Wir sollten nicht unterschätzen, was dies für die weltweite Nahrungsmittelproduktion bedeuten könnte. Wenn die Landwirte keinen Dünger auf ihre Felder bringen können, könnten die Erträge bei der ersten Ernte um bis zu 50 Prozent zurückgehen.“
Mit 130 Dollar extra pro Tonne Harnstoffgranulat allein seit vergangenem Freitag sind die Düngemittelpreise bereits stark gestiegen.
Die Aussicht auf einen weltweiten Inflationsschub treibt die Entwicklungen an den globalen Anleihemärkten voran. Normalerweise verschieben die Anleger ihr Kapitel in Zeiten finanzieller Turbulenzen in Staatsanleihen, die als sicherer Hafen gelten, wodurch deren Preis in die Höhe getrieben wird und Rendite bzw. der Zinssatz sinken. (Beide stehen in einem umgekehrten Verhältnis zueinander.)
Derzeit ist jedoch das Gegenteil der Fall, da sich Kreisen des Finanzkapital die Sorge um sich greift, dass die Aussicht auf eine erneute globale Inflation bedeuten könnte, dass die erwarteten Zinssenkungen durch die Zentralbanken vom Tisch sind und die Zinsen sogar erhöht werden könnten.
Am deutlichsten zeigt sich diese Entwicklung auf dem Markt für britische Staatsanleihen. Laut der Financial Times „verschärfte sich der Einbruch bei den britischen Staatsanleihen am Montag bei unruhigem Handel. Steigende Energiepreise schürten die Angst vor einem Inflationsschock in Großbritannien und veranlassten Händler dazu, auf eine Zinserhöhung durch die Bank of England zu setzen.“
Die Rendite auf zweijährige Staatsanleihen stieg um 0,1 Prozentpunkte, was die Financial Times als „einen der größten Tagesverkäufe der letzten Jahre“ bezeichnete. Die Rendite auf 10-jährige Anleihen stieg ihrerseits um 0,11 Prozentpunkte.
Der leitende Zinsmarkt-Strategie für Großbritannien bei der Investmentbank von Barclays beschrieb die Kehrtwende bei den Erwartungen bezüglich der Maßnahmen der Zentralbanken als „schnell und brutal“. Das britische Finanzsystem lebt in Angst davor, dass sich die Ereignisse aus dem Jahr 2022 wiederholen könnten, als der Versuch der Regierung unter Liz Truss, Steuersenkungen mit Schulden zu finanzieren, eine schwere Krise auslöste, die ein Eingreifen der Bank of England erforderlich machte.
Die Bewegung am US-Anleihemarkt war nicht so stark, verlief jedoch in die gleiche Richtung, da weitere Zinssenkungen durch die Federal Reserve zunehmend ausgeschlossen werden. Letzte Woche lag die Rendite auf 10-jährige Staatsanleihen, die als globaler Benchmark dienen, bei 3,93 Prozent. Seitdem ist sie zwischenzeitlich auf 4,2 Prozent gestiegen und könnte weiter klettern.
Die Turbulenzen treffen auch kleinere Märkte. In einem Bericht in der Australian Financial Review hieß es, dass am Montag angesichts des Anstiegs der Ölpreise „Panik den Anleihemarkt erfasst“ habe. Die Zeitung beschrieb den Rückgang des wichtigsten Aktienindex um zwei Prozent als „den brutalsten Ausverkauf” seit Trump im April letzten Jahres mit seinen umfassenden „reziproken Zöllen” die Finanzmärkte erschütterte.
Der Krieg gegen den Iran wirkt sich auf ein globales Finanzsystem aus, das bereits zuvor Anzeichen von Zerbrechlichkeit zeigte. In einem Kommentar in der Financial Times wies der Finanzanalyst Mohamed El-Arian auf drei unterschiedliche Risiken hin, von denen keines für sich genommen groß genug schien, um ein systemisches Risiko zu verursachen.
„Zusammen können sie jedoch eine sich selbst verstärkende, destabilisierende Kraft bilden”, fuhr er fort.
Das erste Risiko ist die Situation bei Privatkrediten in den großen Volkswirtschaften, wo es „klassische Anzeichen für eine überdehnte Branche gibt – mangelhafte Kreditprüfung, fragwürdige Bewertungen, ungeeignete Anlageinstrumente und Betrug“.
Das zweite Risiko ist die massive Finanzierung der KI-Entwicklung und die Anzeichen dafür, dass der Einsatz von KI zu erheblichen Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt führen wird. Das dritte Risiko betrifft die Fähigkeit der Anleihemärkte, angesichts steigender Inflation einen starken Anstieg der Staatsverschuldung aufzufangen.
El-Arian schloss mit der Feststellung, dass der Weltwirtschaft nicht nur ein unbeständiges Jahr 2026 bevorstehe, sondern sie sich „auf dem Weg zu einem weiteren Zerfall“ befinde.
