Perspektive

Der Streik bei American Axle und der Aufstand in der Autozuliefererindustrie

Arbeiter von American Axle am ersten Streiktag, 1. Juni 2026 [Photo: UAW]

Am Montagmorgen traten 1.000 Beschäftigte im Werk von American Axle in Three Rivers, Michigan, zum ersten Mal seit 2008 in den Streik. Der Streik der Mitglieder der UAW-Ortsgruppe 2093 ist Teil einer wachsenden Revolte unter den Beschäftigten in der Automobilzulieferindustrie. Sie kämpfen dafür, dass nach Jahrzehnten der Zugeständnisse durch die Gewerkschaft, ein Kurswechsel stattfindet: Hungerlöhne und immer stärkere Ausbeutung sollen ein Ende finden.

Arbeiter bei AAM, das von CEO Richard Dauch in „Dauch Corporation“ umbenannt wurde, verdienen nach fünf Jahren höchstens etwa 22 Dollar pro Stunde. Im Jahr 2008 verdienten langjährige Beschäftigte bis zu 29 Dollar pro Stunde – real, d.h. unter Berücksichtigung der Preissteigerung, etwa doppelt so viel wie heute – bevor die UAW einen 87-tägigen Streik beendete und Lohnkürzungen auf 14,50 Dollar durchsetzte. Die Unternehmensleitung baute schließlich die Hälfte der Belegschaft ab und schloss bis 2012 die Werke in Detroit und im Raum Buffalo, sodass Three Rivers als letzter großer gewerkschaftlich organisierter Standort übrig blieb.

Unterdessen hat CEO Richard Dauch in diesem Zeitraum 111 Millionen Dollar an Vergütungen mit nach Hause genommen, und die fünf Spitzenmanager des Unternehmens konnten zusammen fast 231 Millionen Dollar einstreichen. In den letzten zehn Jahren hat das Unternehmen 8,4 Milliarden Dollar Gewinn aus den Arbeitern herausgeholt, die täglich rund 800 Achsen für hochprofitable Fahrzeuge wie den Silverado und den Sierra von GM produzieren. Die UAW selbst räumt ein, dass Arbeiter aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage zum Teil gezwungen sind, in ihren Autos zu schlafen, in Motels zu wohnen oder mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Sie können sich die Fahrzeuge, für die sie Teile bauen, jedenfalls nicht leisten.

Die Arbeiter erhalten weder eine Betriebsrente noch erhalten sie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Sie kämpfen dafür, ihren Status als Ausgestoßene zu beenden und Lohngleichheit mit den Arbeitern der „Big Three“ zu erreichen, die bis zu 39 Dollar pro Stunde verdienen. Sie sind zudem entschlossen, ihre Arbeitsplätze zu verteidigen, da das Unternehmen darauf hinarbeitet, Arbeiter durch Roboter zu ersetzen – was eine allgemeine Tendenz in der amerikanischen Unternehmenswelt widerspiegelt, neue Technologien, einschließlich KI, einzusetzen, um Personalkosten zu senken und die Ausbeutung zu verschärfen.

Während die Arbeiter entschlossen sind zu kämpfen, führt der UAW-Apparat unter dem Vorsitzenden Shawn Fain eine bewusste Operation durch, um ihre Niederlage sicherzustellen. Arbeiter berichten, dass das Unternehmen in den Monaten vor dem Streik, der von Fain am Sonntagabend angekündigt wurde, mit stillschweigender Duldung des Gewerkschaftsapparats Teile auf Vorrat gehortet habe. Der Streik wurde ausgerufen, weil die Gewerkschaftsbürokratie eine offene Rebellion befürchtete, nachdem die Arbeiter mit überwältigenden 98 Prozent für die Genehmigung von Streikmaßnahmen gestimmt hatten.

Der Verrat des UAW-Apparats wird am deutlichsten durch das, was rund 300 km entfernt in Saginaw geschieht. Bei Nexteer Automotive haben die Arbeiter drei unternehmensfreundliche Tarifverträge abgelehnt und Streikmaßnahmen mit 86 Prozent unterstützt. Als Reaktion darauf hat die UAW den Willen der Mitglieder ignoriert und den Vertrag erneut ohne Abstimmung verlängert – so besteht die Gewerkschaft darauf, dass die Arbeiter unter Bedingungen weiterarbeiten, die sie wiederholt abgelehnt haben.

Viele Nexteer-Arbeiter stellen nun die naheliegende Frage: Warum werden sie, nachdem sie mit überwältigender Mehrheit für einen Streik gestimmt haben, immer noch im Betrieb gehalten, während die Arbeiter von American Axle in den Streik getreten sind?

Die Antwort lautet, dass der UAW-Apparat bewusst darauf hinarbeitet, Kämpfe zu isolieren und Niederlagen zu erzwingen. Nexteer ist ein Nadelöhr für die „Big Three“. Ein Streik dort, insbesondere in Verbindung mit American Axle und anderen Zulieferbetrieben, würde die Montagebetriebe rasch lahmlegen. Genau das ist es, was sowohl die Konzerne als auch die Gewerkschaftsbürokratie in Angst und Schrecken versetzt.

Tausende Arbeiter in der Zulieferbranche wollen in den Streik treten – bei Dana, Magna International, Bridgewater Interiors, Allison Off-Highway und anderen Zulieferfirmen. Nachdem die UAW eine massive Streikbefürwortung der Dana-Arbeiter im Rahmen einer Abstimmung ignoriert hatte, setzte die Gewerkschaft eine einwöchige Vertragsverlängerung durch und verkündete anschließend ein Abkommen, das einem Ausverkauf gleichkommt.

Im Vorfeld der UAW-Mitgliederversammlung am 15. Juni agiert die Gewerkschaftsbürokratie zudem mit unverhohlenem Zynismus: Sie möchte sich als „kämpferisch“ darstellen, indem sie einen begrenzten Streik in einem Werk ausruft, und dann eine schnelle Einigung nutzen, um einen „Sieg“ zu verkünden – wie schäbig das Ergebnis auch immer ausfallen mag.

Der UAW-Apparat hat jedoch ein großes Problem, und das ist die Basis selbst, wie sich in der Revolte bei Nexteer zeigt. Die Arbeiter zeigen, dass sie kämpfen wollen. Das Problem ist, dass dieser Widerstand nicht spontan bleiben oder in dem von der Bürokratie kontrollierten Rahmen gefangen bleiben darf. Ein einheitlicher Kampf kann sich nur durch eine umfassende Revolte gegen die UAW-Bürokratie und die Bildung neuer Zentren der Organisation und des Widerstands an der Basis entwickeln – Aktionskomitees, die von den Arbeitern selbst kontrolliert werden.

Die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (International Workers Alliance of Rank-and-File Committees, IWA-RFC) fordert die Arbeiter bei Nexteer, American Axle, Dana und anderen Teileherstellern auf und unterstützt sie dabei, diese Aktionskomitees aufzubauen. Die IWA-RFC stellt direkte Kommunikationswege her und koordiniert Aktionen, um die aktive Unterstützung von breiteren Schichten der Arbeiter in den USA und international zu gewinnen.

Die Arbeiter müssen erkennen, dass die UAW-Bürokratie die Mitglieder nicht „vertritt“. Sie ist der Feind der Arbeiter und fungiert als Vollstreckungsorgan der Unternehmensleitung, als eine Art Betriebspolizei.

Dies ergibt sich direkt aus der sozialen Position der Gewerkschaftsfunktionäre. Die überhöhten Gehälter, Vergünstigungen, Dienstreisen und Sitze in Betriebsräten sind daran gebunden, der Unternehmensleitung zu beweisen, dass sie die Arbeiter unter Kontrolle halten können. Allein die 15 Spitzenfunktionäre der UAW strichen im Jahr 2024 zusammengenommen 3,2 Millionen Dollar ein. Der Vorsitzende Fain selbst nahm 274.407 Dollar mit nach Hause.

Nachdem die Nexteer-Arbeiter den ersten Vertrag abgelehnt hatten, reagierte UAW-Funktionär Jason Tuck– der 148.476 Dollar im Jahr verdient – mit Drohungen und Pöbeleien: Er beschimpfte die Arbeiter und warnte, das Werk könne geschlossen werden, wenn sie streikten. Tuck stürmte aus der Versammlung, als sich die Arbeiter nicht einschüchtern ließen. Im gleichen Zeitraum berief IPS-Direktor Richard Boyer, Fains Chefunterhändler beim ausverkauften „Stand Up“-Streik 2023, eine Sondersitzung ein, um lokale Funktionäre darin zu schulen, „Warnzeichen“ für Dissens in der Basis zu erkennen – d. h., Opposition aufzuspüren und zu unterdrücken, bevor sie sich organisieren kann.

Die Probleme, die sich aus den Kämpfen bei Nexteer und American Axle ergeben, sind universell. Weltweit sehen sich Arbeiter mit fest verankerten Gewerkschaftsapparaten konfrontiert, die in die Unternehmensführung und den Staat integriert sind. Aber die Arbeiter verfügen auch über immense soziale Macht, die in der Produktion selbst verwurzelt ist. Sie kann und muss mobilisiert werden durch Komitees, die der Basis die Initiative und Kontrolle zurückgeben.

Die Arbeiter von Nexteer und American Axle sind Teil einer internationalen Arbeiterschaft, die globalen Konzernen gegenübersteht. Die Muttergesellschaft von American Axle beschäftigt Zehntausende Arbeiter in zig Werken in mindestens 16 Ländern. Autoteile-Arbeiter bei Dana Spicer Axle in Südafrika sind gegen Stellenabbau und die Kollusion der National Union of Metalworkers of South Africa (NUMSA) in den Streik getreten und haben sich dabei gerichtlichen Verfügungen widersetzt.

In der Vergangenheit hat Dauch offen auf die Betriebe von American Axle in Mexiko hingewiesen, mit denen Lieferungen an US-Werke aufrechtzuerhalten sind. Daran zeigt sich, dass der von den Gewerkschaften gesetzte nationalistische Rahmen durchbrochen werden muss und die Arbeiter sich international vereinen müssen, um einen Sieg zu erringen. Das gilt im konkreten Fall ganz besonders für den Zusammenschluss der Arbeiter in den USA und Mexiko. Im GM-Werk im mexikanischen Silao haben die Arbeiter bereits ihre Bereitschaft gezeigt, sich Vergeltungsmaßnahmen zu widersetzen und Arbeitsbeschleunigung sowie erzwungene Überstunden abzulehnen.

Die IWA-RFC ruft die Arbeiter auf, jetzt zu handeln, um ein Streikkomitee der Basis bei American Axle zu gründen und das Nexteer Workers Aktionskomitee zu erweitern. Diese Komitees werden in den Werkhallen gewählt und sind allein den Arbeitern Rechenschaft schuldig. Sie sind das Mittel, um die Forderungen der Arbeiter zu formulieren, eine direkte Kommunikation zwischen den Werken herzustellen und die organisierte Unterstützung aufzubauen, die eine notwendige Grundlage für kollektives Handeln bildet.

Der Kampf darf nicht auf ein Werk beschränkt bleiben. Aktionskomitees müssen diese Kämpfe vereinen und sich mit den Arbeitern bei den „Big Three“ sowie mit Arbeitern in den gesamten USA und international vernetzen. Die IWA-RFC kämpft dafür, den Rahmen für diese Einheit – branchen- und grenzüberschreitend – gegen die Diktatur des Profits zu schaffen.

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