US-Präsident Donald Trump hat am Montag gegenüber der Presse erklärt, das Fiasko um seine geplante Neugestaltung des Reflecting Pool auf der National Mall in Washington, D.C., sei von „Vandalen“ verursacht worden. Diese hätten die Stoffauskleidung am Boden des Beckens aufgeschlitzt und Dünger ins Wasser geschüttet, um Algen zu erzeugen – einen grünen Schaum, der nun einen Großteil des Beckens bedeckt. Auf Rückfragen legte er keine Beweise vor, sondern behauptete lediglich, „jemand habe gesagt“, dass fünf Personen dafür verantwortlich seien, die in den letzten Tagen auf der Mall festgenommen wurden.
Der Reflecting Pool erstreckt sich vom Lincoln Memorial fast eine halbe Meile ostwärts in Richtung Washington Monument. Er bildete die Kulisse für einige der wichtigsten politischen Ereignisse des letzten Jahrhunderts, insbesondere für den Marsch auf Washington im Jahr 1963, bei dem Martin Luther King Jr. seine „I Have a Dream“-Rede hielt.
Nachdem Trump angeordnet hatte, das Becken zu entleeren und den Boden in einer von ihm persönlich ausgewählten Farbe – „American Flag Blue“ – neu zu streichen, färbte sich das Wasser im wieder gefüllten Becken innerhalb weniger Wochen nach dem Anstrich durch Algen grün, und die Farbe blätterte in großen Fetzen ab. Letzte Woche ordnete Trump an, das Becken erneut zu entleeren und neu zu streichen, wobei er „Vandalismus“ für das Debakel verantwortlich machte.
Die gesamte Episode kann als Sinnbild für die übergeordnete Bedeutung der Trump-Regierung gelten: Sie steht für den Abschaum, der an die Spitze der amerikanischen Gesellschaft aufsteigt.
Doch es ist mehr als das. Das Projekt „Reflecting Pool“ ist eine Fallstudie für Trumps Regierungsstil: Die protzige Neugestaltung eines nationalen Symbols, angetrieben von Eitelkeit und dem ästhetischen Empfinden eines ignoranten Immobilienbetrügers, durchgesetzt mit geheimniskrämerischen und antidemokratischen Methoden, was Trumps Kumpanen einen finanziellen Glücksfall beschert und in einem Chaos aus Inkompetenz zusammenbricht, während Trump vermeintliche Feinde zum Sündenbock macht, anstatt selbst Verantwortung zu übernehmen.
Trump ordnete die Renovierung des Reflecting Pool an, um jedem Aspekt der Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Amerikanischen Revolution seinen persönlichen Stempel aufzudrücken. Er bezeichnete den Pool als „schmutzig“ und „widerlich“ – und sorgte dafür, dass er genau so wurde. Er umging die üblichen Prüfverfahren und setzte sich über Gremien wie die Commission of Fine Arts, die National Capital Planning Commission und den Advisory Council on Historic Preservation hinweg, obwohl er zuvor deren bisherige Mitglieder entlassen und durch seine eigenen Kandidaten ersetzt hatte.
Die Aufträge für die Renovierung wurden ohne Ausschreibung an Unternehmen vergeben, die persönlich mit Trump verbunden sind. Darunter das Unternehmen Atlantic Industrial Coatings, das zuvor noch keine Aufträge für die Bundesregierung ausgeführt hatte, von dem Trump jedoch sagte, es habe bereits Pools für seine Resorts gebaut. Kritiker wiesen darauf hin, dass der Vertrag eine eingebaute Gewinnspanne enthielt, die weit über dem für Bundesprojekte üblichen Niveau lag. Der Auftrag für die Wasseraufbereitungsanlage ging an ein Unternehmen im Besitz von John Cafaro, einem Großspender für Trumps Wahlkampf, der sich selbst schuldig bekannt hat, zwei Straftaten begangen zu haben.
Die Kosten stiegen von 1,8 Millionen Dollar – der ursprünglichen Schätzung – auf über 14 Millionen Dollar an. Die endgültige Gesamtsumme dürfte, nachdem das Becken erneut geleert und neu ausgekleidet wurde, noch weit höher ausfallen.
Das sind natürlich nur Peanuts im Vergleich zu den milliardenschweren Abzockereien, die Trumps eigene Familie begangen hat, darunter die Kryptowährungsbetrügereien von Eric und Donald Jr. sowie die Immobiliengeschäfte von Jared Kushner. Es gibt veröffentlichte Schätzungen, wonach das Vermögen der Trump-Familie seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit um 3 bis 5 Milliarden Dollar gewachsen ist.
Zu jedem Zeitpunkt waren die Entscheidungen zur Feier des 250. Jahrestags der Amerikanischen Revolution von Trumps Wunsch getrieben, diese in ein Epos der Selbstverherrlichung zu verwandeln. Daher das widerwärtige Spektakel eines UFC-Käfigkampfs auf dem Gelände des Weißen Hauses anlässlich von Trumps 80. Geburtstag und die Ankündigung, dass die offiziellen Feierlichkeiten am 4. Juli in einer „Trump-Kundgebung“ auf der National Mall gipfeln werden.
Es gibt viele weitere architektonische Monstrositäten, die von dem US-Präsidenten begangen wurden, dessen ästhetisches Gespür dem eines gescheiterten Casino-Entwicklers, Immobilien-Selbstvermarkters und Betrügers gleicht. Da ist natürlich der Trump-Ballsaal, der nach dem Abriss des Ostflügels des Weißen Hauses errichtet wird (wobei der Großteil der Kosten vom Staat getragen wird, nicht von Trumps wohlhabenden Geldgebern).
Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Militär- und Polizeistaat nicht länger nur eine theoretische Möglichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.
Zu den weiteren Projekten gehören der geplante Bau von Trumps „Garden of Heroes“, der rechten Persönlichkeiten wie Antonin Scalia, Barry Goldwater und Milton Friedman gewidmet sein soll, einen mehr als 4 Meter hohen Zaun um den Lafayette Park – um Proteste vor dem Weißen Haus leichter kontrollieren zu können – sowie den geplanten 85 Meter hohen Triumphbogen (auch „Arc de Trump“ genannt), der das Lincoln Memorial in den Schatten stellen und den Blick auf den Arlington National Cemetery versperren wird.
Wie in vielen anderen, bedeutenderen Bereichen der öffentlichen Politik sind Trumps Unternehmungen in den Bereichen Architektur und Landschaftsgestaltung von einer tiefsitzenden Feindseligkeit gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen geprägt. Dem selbsternannten „sehr stabilen Genie“ im Weißen Haus – oder einem seiner Berater – kam es offenbar nicht in den Sinn, dass Frühlingswärme das Algenwachstum im Reflecting Pool begünstigen würde. Vielleicht hätten sie daran denken sollen, Bleichmittel ins Wasser zu spritzen, wie Trump es als Heilmittel gegen Covid-19 vorgeschlagen hatte.
Anstatt Fehler bei der Planung oder Ausführung einzugestehen – überstürzte Arbeiten, fragwürdige Materialien, die Frage, ob es klug war, ein flaches Außenbecken dunkelblau zu streichen – machte Trump öffentlich „Vandalismus“ durch politische Gegner dafür verantwortlich. Es kam zu Festnahmen, obwohl diese offenbar eher auf den Druck des Weißen Hauses zurückzuführen waren, einen Schuldigen zu finden, als auf tatsächliches Fehlverhalten. Zu den Festgenommenen gehörte David Hearn, ein ehemaliger olympischer Kanufahrer, der während einer Radtour anhielt, in das Wasser griff, um ein abgelöstes Stück der Auskleidung zu ertasten, und wegen Zerstörung von Staatseigentum angeklagt wurde; zudem wurde die Nationalgarde an den Ort des Geschehens entsandt.
Die Demokraten ihrerseits haben die Angelegenheit als einen Fall von „Verschwendung, Betrug und Missbrauch“ behandelt und damit eine Fallstudie über oligarchische Plünderung, inszenierte Sabotage und den Einsatz von Truppen gegen die Öffentlichkeit reduziert auf ein Problem das Preis-Leistungs-Verhältnis betreffend.
Das Debakel auf der National Mall ist nicht das Werk der „radikalen Linken“, sondern des „Vandalen-in-Chief“ im Weißen Haus und der sozialen Schicht, die er vertritt. Der Reflecting Pool sollte eigentlich das Washington Monument widerspiegeln. Stattdessen zeigt er ein getreues Abbild der amerikanischen herrschenden Klasse und ihres politischen Systems. Dies ist die Finanzoligarchie, die sich maßlos bereichert, während die Gesellschaft um sie herum verrottet, und die sich nun, am Vorabend des 250. Jahrestags der Amerikanischen Revolution, mit einem Erbe schmückt, das sie in jeder Hinsicht mit Füßen tritt.
Diese Kulisse birgt eine passende Ironie. Auf dem Gelände, das sich vom Lincoln Memorial bis zum Washington Monument erstreckt, haben sich immer wieder Arbeiter und Jugendliche versammelt, um für demokratische und soziale Rechte zu kämpfen. Die wahren Erben der revolutionären Traditionen, auf die an diesem 4. Juli berufen wird, sind nicht die Betrüger, die diesen Ort beschmutzt haben, sondern die Millionen, die den Kampf gegen sie aufnehmen.
